Segeltörn 2013

Von Bärten, Matrosen und anderen Seglern….

Quelle/Text: Matthias Kruse
Ich bin der stille Erzähler dieser Saga, der die eingeschworene Gemeinschaft aus dem Schworzwoldis (auf Deutsch Schwarzwald) auf den Segelturn in den Inselketten um Zadar in Kroatien unauffällig begleitet hat. Ich erzähle gern von dieser Fahrt, denn sie war wieder etwas Besonderes.

Die Teilnehmer und ich, der Erzähler dieser Tour, müssen erkennen: Die große Fahrt an die Adria ist passe. Die Crew ist wieder zu Hause.
Bevor die Tage ins Land ziehen und die Erlebnisse auf dem Schiff immer weiter in die Vergangenheit abdriften, werde ich meine Gedanken Revue passieren lassen.

Ich beginne mit dem dritten Oktober, 2013 um 19Uhr00 an der bescheidenen Prachtvilla unseres Capitano Wolfgang (The big one). Die Leicht- bis Schwermatrosen und deren Gattinnen haben sich zusammengefunden und den Wagen für die große Fahrt beladen.

In einem Gemisch aus Geseufze, Gelächter und Geschnatter haben sie das Warmup für die große Fahrt eingeläutet. 1150 Km standen ihnen bevor. In der Gegend um Zadar, genau gesagt Sukovan in Kroatien wollten sie den Segler besteigen, mit dem sie in der Adria um die vorgelagerte Inselkette „schippern“ wollten. Es hieß die Devise

„…no Gangele…. no cry …“.

Es sollte ein entspannter Anti-Schaukel-Kurs mit kurzen Wegen in den malerischen Buchten der vorgelagerten Inseln sein. Als kleines Schmankerl stand der Besuch der Wasserfälle von Krka an. Aus diesem Grund ist die Crew schon am Donnerstagabend abgereist, denn die Übergabe des Schiffes wurde erst für den Samstag festgelegt.

Wer war in der Crew und mit von der Partie? Ganz klar, der Capitano Wolfgang (the big one), der den 49ft Kahn an der Mole von Sukovan klar gemacht hatte, führte die Truppe wieder an.

Wolfgang (the little one) und extrem Winscher, sowie Stefan, der Ko-Pilot und Sockenschuss-Experte (abgeleitet von Sonnenschuss) bewohnte die Kajüte steuerbord achtern. Stefan wurde seiner Bezeichnung ‚Navigator‘ absolut gerecht. Sein Kartenmaterial schien unerschöpflich und er führte die Crew in sicheres Fahrwasser.

Der Vorstand Jürgen, gestrenger Smutje und Hüter der Barschaften war wieder der Eckpfeiler besonders dann, wenn kroatische Zeitgenossen mit einem Lächeln die Rechnungen für Speisen und Getränke überreichten. Immer wieder hat die Crew dann seine Gesichtszüge beobachtet: Ein Lächeln in Jürgens Gesicht bedeutete, es ist noch Barschaft vorhanden.

Was wäre die Fahrt ohne Wilf, den Bezwinger der Mooring! Er ist das Urgestein durch und durch. Seine Lebensweisheiten, die durch seine Esther noch deutlich aufgewertet worden sind, sind immer wieder wertvoll. Er zeigt der Crew auf seine einzigartige Art, dass sie eine eingeschworene Mannschaft ist, was geschätzt und gepflegt werden muss.

Carmen, das flotte Mädel! Weit reist sie an, um mit ihren Freunden ihre Seele baumeln zu lassen. Sie hat auch über die Jahre das kernige Seufzen nicht verlernt. Wie üblich hatte sie allen anderen Seglerdamen, die die Buchten mit ihren Schiffen kreuzten, gezeigt: Die Chefin an Bord bin ich und meine Männer auf diesem Boot nicht mehr zu haben.

Matthias, der wackere Westfale und zum Crew-se befördert, hatte ebenso seinen Seesack gepackt und ist an Bord gegangen. Losgelöst von all den allzu wichtigen irdischen Problemen, wollte auch er wieder mit dieser Mannschaft Seeluft schnuppern. Eines hatte er sich geschworen: Jaqueline (Expertin für Mageninhalt über Oral-Ex entsorgen) sollte sich diesmal einen anderen Wegbegleiter suchen. Dummerweise hatte die schmollende Jaqueline diese rüde Abfuhr sehr persönlich vernommen und sich hemmungslos an die übrige Crew vergriffen.

Zuletzt sei Manuel erwähnt. Donnerwetter, dieser junge Mann ist in beeindruckender Weise in die verschworene Segler-Crew eingezogen. Perfekt ausgestattet bis zum elektrischen Taschen-Hair-Styler hatte er sich für die Fahrt vorbereitet. Natürlich hatte Papa Wolfgang (the big one) seinen Sohn in die Geheimnisse des Segelns eingewiesen. Manu wurde besonders durch sein freundliches Wesen in die Gemeinschaft aufgenommen. Kurz um: Er passte einfach rein! Mit einem extremen Schmunzeln hat die Crew sein

„… Papa, so geht das nicht… zeig mal her …“

dann und wann vernommen, hatte der Capitano den Anforderungen der neumodischen Techniken nicht standhalten können.

Hier hat sich deutlich gezeigt, dass sich neben der amtlichen Vater-Sohn Beziehung auch die Beste-Freunde Kombination hinzugesellt hat. Als besonderen Nebeneffekt ist zu erwähnen, dass Manu das Durchschnittsalter der Mannschaft wieder deutlich unter die 50-er Grenze drücken konnte.

Die Anreise nach Sukovan, Kroatien an der Adria:
Donnerwetter! 1150Km bis zu den Krka Wasserfällen waren eine echte Ochsentour. Quer durch die Nacht durcheilte die Crew Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien. Zu Beginn lag der Bierverbrauch noch bei 1,9l/100Km, nahm dann aber rapide ab, da der Großteil der Crew in den Sleep-Modus abdriftete. Nur die Fahrer Capitano, Stefan und Matthias führten den Wagen in Richtung Ziel. Unangenehm wurde der Blick auf das Thermometer in Kroatien, welches sogar -2,5C° angezeigt hatte. Das Problem: Niemand hatte seine Angora-Unterwäsche dabei.

Nach vielen Stunden und einigen Zwangspausen, denn Jaqueline hatte kurzzeitig einen neuen Freund in unseren Smutje-Jürgen gefunden, haben sie die Wasserfälle erreicht. Bei bestem Sonnenschein!

Tag 1: Die Krka-Wasserfälle, jenseits von Sukovan:
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Obwohl die Aufnahmekapazität nach solch einer Fahrt begrenzt gewesen ist, haben diese Wasserfälle die Crew vollkommen in den Bann gezogen. Natürlich ging das alles nicht ohne die üblich örtliche Prozedur

„… machs Kässle auf und rüber mit den Knoten (Kunar) ….“,

aber der Gegenwert war gigantisch. Sie wanderten durch die wunderschöne Landschaft, die durch die Kraft des Wassers gestaltet worden ist. Abschluss der Wanderung bildete der Wasserfall, der mit tosendem Gebrüll seine Wassermassen ins Tal beförderte.
Nach der Wanderung haben sie sich in den Bus geschwungen und sich zu deren ersten Herberge in Sukovan begeben. Da sie das Schiff erst am kommenden Tag übernehmen konnten, mussten sie eine Nacht an Land verbringen. Die Besitzer der Pension direkt gegenüber dem Hafen waren sehr freundlich und die Zimmer ordentlich.

Die Zimmer wurden in Buben- und Mädel Zimmer aufgeteilt. Um den Plural Mädels gerecht zu werden musste sich einer der Buben zu Carmen gesellen. Der Westfale hatte die Ehre, den Schlaf der flotten Carmen zu bewachen. Es ist aber nicht richtig, dass die tags darauf gesichteten Kratz- und Bissspuren am Westfalen in jener Nacht entstanden sind.

2. Tag, Überfahrt zu der Insel Murter
Auf geht’s! Das Schiff ruft! Endlich haben sie grünes Licht für die Segeljacht erhalten. Neunundvierzig Füße und ein paar Zentimeter sollten deren Behausung für die nächsten Tage sein. Es ist bisher deren größte Segelyacht. Geräumig ist sie gewesen, aber einige Abnutzungsphänomene machten sich bemerkbar. Egal! Sie haben die Kajüten bezogen und die Achterleinen gelöst. Raus ging es aufs Meer!
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Das Ziel: Die Hafenstadt Murter. Da sie den Wind gegen sich gehabt haben, hat der Capitano den Schiffsdiesel angeworfen, der die Crew sehr schaukelnd die 24sm zu diesem Hafen befördert. Leider: Der Wetterbericht sollte Recht behalten, denn das Wetter schlug um. Der Regen war da! In der späten Dämmerung haben sie den Hafen erreicht. Nachdem sie angelegt hatten, kam die Crew sich zwischen den millionenschweren Luxusyachten ein wenig schwach vor, aber was soll’s! Eine Gemeinschaft ist unbezahlbar und so tingelten sie durch den Regen in ein Restaurant, welches der Capitano im August auf Herz und Nieren getestet hatte. Der Capitano hatte nicht zu viel versprochen, denn die servierte Fischplatte war schon jenseits der alltäglichen Kost. Durch den warmen Regen trollten sie sich in die Kajüten, der Tag war geschafft.

3. Tag, Überfahrt nach Primosten (Festland).
Dumm! Sie hatten schlechtes Wetter! Der Regen hatte zwar aufgehört, aber die Wolken wollten nicht aufbrechen und die Sonne durchlassen. Dennoch hieß es „weiter geht’s“! An diesem Tag sollten die Segel gesetzt werden. Raus aus dem Hafen und rein in die leicht „kachelige“ See. Nach langer Zeit hat der Capitano eindeutige nautische Befehle von sich gegeben, die von seiner Crew mehr oder minder schnell geistig umgesetzt wurden.

„… Schnur rum um den dicken Poller und irgendwie ziehen?…“

Nichts da! Hier wurde fachmännisch gewerkelt und die Wissenden haben mit einer Engelsgeduld den Unwissenden die Handhabungen erklärt. Besonders Manu hatte hier sein Wissen weitergeben und immer wieder mit schnellen Handgriffen korrigieren können.

Die Segel konnten gesetzt werden und ab ging es mit 6 Knoten zu deren nächsten Ziel. Gegen den Wind wurde es deutlich schaukliger, dass Schiff neigte sich ordentlich zu Seite. Für Carmen wieder geneigt genug, um einen innigen Kontakt mit der Winschen-Trommel in Form eines doppelten Haltegriffs herzustellen. Ab hier seufzte sie innerlich. Die Sorge gegenüber diversen Sockenschüssen war aber ungerechtfertigt.

Warum ich als Erzähler dieses so eindringlich behaupten kann? Schwenken wir in den Alltag auf dem Schiff. Der Capitano steht felsenfest und mit festem Blick auf die See hinter dem Ruder. Die Gischt peitscht über das Deck. Dann wird seine Mannschaft nervös, denn der Blick des Capitanos schweift für Sekundenbruchteile zu seinen Seekarten ab.

Die Mannschaft fragt sich, ob sie in gefährliche Gewässer fahren würden. Sind alle nervös? Nein, Navigator Stefan schaut ruhig in seine „Wundertüte“, analysiert die Informationen der gezeigten Seekarte und gibt folgende Info von sich:

„Untiefe mit 2,36m drei Grad Steuerbord voraus, Bodenstruktur Silikat, Sandstein und Thymian. Drei legal und vier illegal versenkte Ölfässer!“

Der Capitano nickt stumm, korrigiert den Kurs um 3 Grad und sein Blick haftet wieder fest voraus. Mit diesem Personal wäre die Weltumseglung eine Kafeefahrt.
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Trotz Wind und hochgeschlagenem Kragen haben sie in der Captains Longe auf dem Achterdeck zusammengesessen und gesnackt. Ganz klar: Die Luft war fürchterlich trocken und musste mit kaltem Biere befeuchtet werden. Unglaublich war es für den Westfalen, welche Anlasse das Kippen eines Bieres würdig sind. Also, auf das Türschloss der Kajüte hinten links (Türschlossbier)….

So erreichten sie gut durchschaukelt Primosten. Sie haben in der Bucht geankert und mussten vom spärlichen Batteriestrom die kostbaren Elektrogeräte speisen. Apropos Speisen: So zurückhaltend und Gentlemen-Like Vorstand Jürgen 99% im Leben ist, in der Kombüse dreht er auf! Vor verschlossen Schotten, denn alle Nicht-Smutjes mussten die heiligen Hallen verlassen.

Angepeitscht durch Babba Wilf haben die beiden den Tisch mit Extravaganzen gedeckt. Es wurde serviert: Spaghetti Bolognese.

An Deck hat die Crew die Verdauung in Gang gesetzt und uns dann in unsere Kojen verkrümelt.

Tag 4: Überfahrt nach Punta Planka und Tauchgang bei Tauchplatz Leuchtturm Punta Bianco, danach Überfahrt zur Insel Caprije

Verdammt noch einmal, der Himmel hatte die Schleusen geöffnet. Die Überfahrt zur Bucht in Rogoznica war deshalb eher ungemütlich und lud zum Härtetest der Regensachen ein. In der Bucht hatte Maik, der Leiter der Tauchbasis auf uns gewartet. Die Bucht, klein und überschaubar und mit netten Häuschen, hätte bei Sonnenschein sicherlich noch schöner ausgesehen.

Es war also wettermäßig nass! Egal! Im Wasser ist es auch nass, also haben sich der Capitano, Manu, Wilf, Jürgen und Matthias in den Tauchanzug gezwängt und sich von Maik mit dem Schlauchboot abholen lassen. Der Rest der Mannschaft blieb an Bord, um über ein Sonnenbad an Deck zu träumen.
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Maik, aus Süddeutschland stammend, ist schon viele Jahre in der Bucht ansässig und betreibt dort eine Tauchbasis, nebst Bootsfahrten zu den Tauchrevieren. Seine freundliche Art hatte allen gleich gefallen. Die Taucher haben von ihm die restliche Ausrüstung, wie Flasche, Gurt und Jacket erhalten und dann ging es ab in das Schlauchboot. Gesteuert wurde dieses Boot mit einem Monsteraußenborder von einem Kollegen, der ebenfalls eine Basis in dieser Bucht betreibt.

Junge! Dieser Kapitän wollte anscheinend das blaue Band gewinnen. Mit einem Affenzahn peitschte er über die Wellen der aufgewühlten See im heftigen Regen. Unsere Taucher hopsten auf dem Schlauch und es wurde dem einen oder anderen bewusst, dass Bandscheiben in der Rückfront werkeln. Besonders dem Westfalen wurde hier mulmig, obwohl er im täglichen Leben durch die Fahrweise seiner feschen Gattin gestählt sein müsste.

Der erste Tauchplatz wurde im Wellengang durchgewühlt. Dem Westfalen wurde innerlich noch mulmiger zumute

„… was denn! Hier rein?…“

Gott sei Dank hat der Bootsführer den flehentlichen Blick richtig gedeutet und einen anderen Platz angefahren. Das Boot preschte weiter zum westlichsten Punkt des Kroatischen Festlandes und auch der südlichste Punkt der Tour.

Dieser Platz lag etwas ruhiger und war eine kleine Perle unter den Tauchplätzen.

An einem Leuchtfeuer gelegen wurden sie zu einem Tauchgang an einer gigantischen Steilwand eingeladen. Über 40m ging es in die Tiefe und ein Meer von blauen Gorgonien begrüßte sie im gedämpften Licht. Solch einen „Wald“ haben sie bisher selten gesehen. Alle Taucher waren begeistert, bis auf einen im eingeschränkten Modus! Der Westfale verfluchte die Technik seiner Videokamera! Hat ihm dieses kleine Bollwerk aus filigraner Technik ausgerechnet bei diesem Tauchgang die lange Nase gezeigt und eine anscheinende Arbeitsverweigerung angedeutet. Das war ärgerlich, an all den schönen Ecken vorbeizuziehen, ohne diese Eindrücke bildlich festhalten zu können. Dennoch bleiben letztendlich die Erinnerungen im Gedächtnis, wie beispielsweise die Ruhestätte des Basisleiters Istvan Vida in diesem Riff. Er hatte jahrelang an der Küste gelebt und musste leider sehr früh von dieser Welt gehen. Als letzten Wunsch wollte er seine Urne in diesem Riff bestattet haben. Das haben ihm seine Freunde auch erfüllt. So ruht er nun im Riff und ist nah an dem Ort, den er geliebt hatte.

Der Tauchgang ging schnell zu Ende und sie tauchten im grauen Regenwetter auf, verstauten sich an Bord und wurden genauso schnell wieder an Land befördert. Der Abschied von Maik und seinem Kollegen war recht herzlich. Wie üblich gab es auf dem Weg zum Segelschiff einen Scheidebecher in Form eines Gaumen-Desruptors! Bei dem Schnaps haben Viren im Rachenbereich keine Chance.

Maik hat sie zum Schiff zurückgebracht. Der Schiffsdiesel wurde gestartet. Sie haben Maik noch einmal zugewunken und schnell wurde die Bucht Achtern kleiner. Wäre schön, darf ich irgendwann wieder über Maik berichten können.

Blick nach vorn! Sie haben den Hafen der Insel Caprije ins Visier genommen. Leider konnte die Crew die Tour nicht komplett unter Segel fahren, denn die Batterien mussten aufgeladen werden. Also haben sie den Motor wieder ein Stück weit angeworfen. Wie gewohnt, war das Wetter bescheiden. Ohne Jäckchen ging es nicht auf das Achterdeck. Der Smutje Jürgen hatte die Szenerie akustisch aufgehellt, denn er hatte den ‚CD‘-Knopf in der Schiffs-Musikanlage gefunden.

Die Gruppe Santiano schmetterte Seemannslieder über den Äther. Zu Anfang war dieses akustische Schmakerl ja recht nett! Nachdem aber diese Gruppe in einer Endlosschleife das packende Schicksal vom bärtigen Hein, Brad und Pitt auf Kapernfahrt besungen hatten, hätte die wackere Crew die Sänger nebst Kahn am liebsten versenkt. Gott sei Dank hatte der Vorstand Jürgen noch weitere echt nette Musikofferten zu bieten.

Der Hafen kam in Sicht! Leider hat sofort der drahtige Hafen-Sherriff (Spitzname ’sit down’) in seinem Dinky signalisiert, dass nur das Parken in der zweiten Reihe möglich sei. Leider also wieder keinen ‚Säft‘ für die überlebenswichtigen Instrumente der Crew wie Handy, Laptop (!!) und anderen Geräten.

Trotz Parken in der zweiten Reihe gab es ein gutes Essen in der ersten Reihe im Hafenrestaurant. Der Capitano hatte auch hier schon im August seine Fühler ausgestreckt und in einer ausgiebigen Testreihe die Nahrungsmittel verprobt. Es hätte nicht anders kommen sollen: Jaquelinchen hatte sich an Babba Wilf angekuschelt. Auch er musste in den folgenden Stunden alles rauslassen, damit diese „Zicke“ zufrieden gestellt werden konnte. Sie avancierte mehr und mehr zu einem Wanderpokal!

5. Tag: Überfahrt in die Bucht der Insel Ravni Zakan
Der Morgen an Bord begann mit Kamillentee, den die beiden Wolfgänger aus dem Hafen per Dinkie eingeschifft hatten. Wilf musste wieder zu Kräften kommen und sein Lächeln war schon wieder sichtbar. Ein Blick nach draußen: Herbstlich trüb! Das Ziel sollte etwas Besonderes sein, denn die Crew steuerte eine kleine Bucht an. Diese Bucht gehörte zu der kleinen Insel Ravni Zakan, die genau zwei Gebäude in Form von Restaurants beherbergte. Das Erste war für die Crew unbezahlbar gewesen und hätte diverse kommerzielle Blackouts bei dem Kassenwart Jürgen provoziert.

Das Zweite aber sollte erschwinglich und auch mit guten Fischplatten aufwarten. Noch während Jürgen in voller Segelmontur die Haltegurte und Fesseltricks in allen Formen an Deck und an sich ausprobierte (so manche spezielle Studios hätten die helle Freude daran gehabt), hat sich der Rest der Mannschaft das Menü von Vorspeise bis Nachspeise konfiguriert. So sollte der Ablauf im Restaurant zügig von statten gehen.
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Der Wind hat sie in die Bucht geschoben, die Überfahrt war sehr entspannend gewesen. Der Capitano hatte nicht übertrieben, denn die Bucht ist ein Traum. Obwohl der Regen so ziemlich alles an Stimmung gedämpft hatte, war der Ankerplatz malerisch! Grünes Wasser in der Bucht, umrandet von anderen kleinen Inseln. Das Dinky der Crew wurde flottgemacht und die BigGuns haben zum Restaurant übergesetzt. Was für eine Pleite, das Restaurant hatte zu! Sie konnten nur schmachtend zusehen, wie die Besitzer inkognito eine riesen Brasse verzehrten. Also mussten die Smutjes wieder ran an den Topf.

Bevor es ans Essen ging, haben die Alt- und Neuwestfalen Matthias, Carmen in Begleitung mit Wolfgang (the little one) und Smutje Jürgen eine kleine Inselbegehung gemacht. Mehr gingen auch nicht im Schmalspurdinky hinein. Ein wenig traurig gestaltete sich die Inselbesichtigung schon, denn der nette Regen gesellte sich in die Bucht. Nachdem die vier das Nobelrestaurant von außen gesichtet hatten, wurde die Vorfreude auf selbst geköcheltes Essen am eigenen Herd noch größer.
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Eigentlich stellte sich wieder die Frage, warum sich die Altherren- und flotte Dameriege diese Ochsentour angetan haben? Regen? Wind? Geschlossene Restaurants und fast entladene Handys und Laptops? Ein ‚no go‘ für die Meisten.

Der Grund für diese wunderbare Fahrt lieferte sich prompt: Ein weiteres Segelschiff gesellte sich in die Bucht. Laut den nautischen Fachexperten rund um den Capitano hat diese Crew des anderen Schiffs extrem unprofessionell geankert. Besonders dem Westfalen ist über das geballte Fachwissen des Capitanos die Kinnlade heruntergefallen. Das selbst die Farbe der Unterhosen der Crew Einfluss auf den Anstellwinkel des Großsegels haben konnte! Unglaublich!

Nachdem die andere Mannschaft, die aus einem befreundeten Nachbarlandes mit vielen Bergen stammte, ihre 3×3m große Landesflagge gehisst hatten, wurde eine analytisch pragmatische Stimmung auf Deck jenes Schiffes zelebriert. Während rund um den Capitano Blödsnack, schallendes Gelächter und zum Teil schwer verdauliche Kommunikation (selbst die Gynäkologen wurden nicht verschont) gepflegt worden ist, schien auf dem anderen Boot die Werke von Nietzsche und Kant zitiert worden zu sein.

Das ist es, was die Gemeinschaft meiner kleinen Crew, die ich im Stillen begleitete, ausmachte! Zu reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist, ohne in die Gefahr zu laufen, dem anderen unabsichtlich auf die Füße zu treten. Füße treten, dieses Phänomen gibt es bei meinen Helden dieser Saga nicht, denn dafür achten sie den Anderen zu sehr.

Dann wurden sie doch noch verwöhnt! Die Wolken brachen auf und die Sonne (das gelbe runde Ding) zeigte sich in voller Pracht. Mit Regenbogen und einem Sonnenuntergang über den Berghügeln. Jetzt endlich hellte sich auch Carmens Gesicht auf und strahlte wie die Sonne.

Tränen haben sie über folgendes Happening gelacht: Die Bootsnachbarn waren über die intime Nähe mit dem Boot unserer Crew aus dem Schworzwoldis zutiefst beunruhigt, denn die beiden ankernden Schiffe näherten sich durch Wind und Wellen auf wenige Meter. Die Nachbarn wollten daher umsetzen. Es hat echt Spaß gemacht, entspannt den diversen Manövern der Bootsnachbarn zuzuschauen. Als erstes ging deren Bootshaken über Bord. Meine Matrosen sind instinktiv dabei zusammengezuckt, denn wäre es ihnen passiert, wäre es mit mindestens 10 Peitschenhieben geahndet worden.

Der Capitano ist dann beherzt mit dem Dinky dem treibenden Haken hinterhergehetzt und hat Diesen sicher geborgen. Das war aber erst Teil eins der Rettungsaktion, denn im zweiten Teil musste dieser Haken von der anderen Crew geborgen werden. Das ging nicht ohne Reibungsverluste! Noch amüsierte sich Carmen als sie bemerkte:

„.. der treibende Schuh im Wasser sieht aus wie meiner….“.

Hier machen wir einen Cut und ihre nächste Bemerkung erfolgte mit dem Gesichtsausdruck der Marke ….. “ich hau dir gleich eine“:

„…das ist ja mein Schuh!…“.

Sapperlot! Der Schuh des Smädle, hatte vorher Achtern hart im Wind schaukelnd an der Reling gehangen. Da Capitanos dazu pflegen, sich dann und wann in Grobmotoriker zu verwandeln, ist dieser Schuh durch seine Hand unabsichtlich über Bord gegangen. Gott sei Dank waren es keine 300€ High-Heels, die wenig Auftrieb erzeugen. Diese Treter hatte unsere Carmen sicher im Gepäck verstaut und sollten nur zu diversen Table-Dance Einlagen ans Tageslicht gelangen. Nein, es waren 08/15 Wohlfühl-Puschen, die sich gern mal treiben lassen, auch auf dem Wasser. Auch hier gelang die Rettung.

Junge, was haben meine Argonauten gelacht (natürlich verdeckt und unauffällig). Einmal über die Schuhaffäre und natürlich weiterhin über den Bootshaken.
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Unser Capitano volumenfüllend im kleinen Dinky den Schuh verstauend und Bootshaken hochhaltend und das andere Boot, welches durch mannigfaltige Wendemanöver den Bootshaken erreichen wollte. Nicht nur viele Wege führen nach Rom, sondern auch zu einem Bootshaken…

6. Tag Überfahrt in die malerische Bucht der Insel Konati in Vrulje
Auf der ganzen Fahrt hatte die Crew das Titelbild des Hafendörfchen Vrujle eines Reisführers begleitet. Das Buch lag auf dem Achterdeck und zeigte die Besonderheiten dieser Region. Diese Bucht auf dem Titelbild wollten sie nun besuchen. Gott sei Dank, das Wetter war am Morgen zumindest akzeptabel. Sie lichteten den Anker und ab ging es im günstigen Wind nach Konati. Auf diesem Kurs haben die Segler das offene Meer mit dem Außenriff der Konaten erreicht und für kurze Zeit die Weite des Meeres spüren können. Der Capitano hatte danach seine Schäfchen sofort wieder ins geschützte Wasser gelenkt.

Die Landschaft wurde richtig reizvoll. Die einzelnen Inseln wurden immer kleiner und reihten sich wie Perlen in die Seelandschaft. Unglaublich sind die kleinen Mäuerchen, die die Inselbewohner als Grenze ihrer Grundstücke gesetzt haben. Es sind schnurgerade Steinmauern. Diese Mauern ziehen sich ungebremst durch Steigungen in den Hängen über die Inseln, ohne Knicke und Mörtel.

Sie haben dann die besagte Bucht erreicht. Ja, die Sonne war noch nicht da, aber das besondere Flair hatte es in voller Größe trotz weniger Quadratmeter Land und einer Handvoll Häuser gezeigt: Keine Straßen und Strom gibt es Vormittag bzw. am Abend! Nur der kleine Hafen verband diese kleine Insel mit der Außenwelt.

Grob gesagt, teilte sich der Hafen in Ost und West auf. West bedeutet: Hier tobt das Leben mit dem Jetset, der „Fußgängerzone“ und einem belebten Restaurant. Ost präsentierte sich das Restaurant Kondoba Robinson mit einem netten Holzsteg. Unser Capitano hatte auch hier vor einigen Wochen vorgefühlt und wollte seine Crew hier zum Essen ausführen. Der Besitzer und sein freundlicher Hund kamen ihnen auch schon entgegen, aber Essen? Nein, die Küche würde auch hier kalt bleiben! Also mussten sie hier in den Westteil der Insel pilgern und dort einen Tisch reservieren.
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Der Hafen füllte sich nach und nach mit weiteren Segelbooten. Als sie durch den Westteil schlenderten konnten sie die geballte Ladung der nautischen Fähigkeiten einiger Kapitäne bestaunen. Als ein großer Katamaran aus einer echt engen Anlegestelle ausparkte, konnte der Navigator Stefan nur mit geballter Schiebung massive Dellen am Rumpf verhindern. Stefan drückte den Kahn von der Steinmauer weg und so blieb es nur bei kleinen Macken. So ein richtiges „Danke“ kam aber dabei nicht von der Brücke.

Die Sonne kam dann doch noch! Die Männer der Crew bestiegen den Hügel an der Hafeneinfahrt und nutzten dabei den Ziegen-Highway neben der Mauer. Für Couch-Potatos wäre nach der Hälfte der Strecke Ende im Gelände gewesen. Nicht aber für die durchtrainierte Crew. Mit schnellem Schritt tänzelten sie den Berg hinauf. Am Gipfelkreuz wurden sie belohnt! Was für eine Aussicht! Auf der Rückseite sahen sie den Hafen im Kleinformat, der Blick nach vorn zeigte ihnen das offene Meer! Nachdem sie einen Geo-Cash gefunden hatten und sich dort in der Datenbank in Papierform verewigt haben, genossen sie den Blick in die Ferne. Der Westfale hatte sich regelrecht in der Ferne verloren. Auf einem Stein sitzend konnten sich seine Augen nicht an das Panorama sattsehen. Ist schon sonderbar, dass erst durch solche Aussichten die Demut vor dem Leben in Erinnerung gerufen werden kann, und die so ganz dramatisch wichtigen Alltagsprobleme irgendwie recht unwichtig werden.
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Sie stiegen wieder hinab ins Tal wo sie das nächste Happening in voller Größe überflutete! Unsere Carmen hatte endlich im Sonnenschein das 100% Copacabana Feeling abgeräumt. Mit einer Hightech-Fidelity Soundanlage, über einen Kopfhörer verbunden, saß das Smädle auf dem Steg, ließ die Füße im Wasser baumeln und gab träumend allen im Hafen eine Gesangseinlage der Extra-Güte. Allen wurde nun klar, was Odysseus einst erdulden musste, als er ungefiltert den Sirenen gelauscht hatte. Tatsächlich haben die ein- und auslaufenden Schiffe einen deutlichen Schlingerkurs gezeigt, als Carmens Schallwellen die Boote erreicht hatten.

Der Abend nahte und sie machten sich für den Landgang fein. Ein Massiv-Steinbutt, liebevoll der „Der-drei-Kilo-Klopper“ genannt, sollte auf den Speiseplan stehen! Leider bezog sich dieses Attribut auch auf den Preis, der ebenfalls in unsere Bordkasse ‚reinkloppte‘. Egal, es ist Urlaub und die Crew hatte auch das Recht, sich solch einen feudalen Happen zu gönnen.

Der Dorfgenerator wurde eingeschaltet und der Strom floss in den Westteil der „Stadt“. Das Restaurant war gut besucht. Klar, denn es war die einzige Möglichkeit, bekocht zu werden. Dann, es viel allen ein Stein vom Herzen, es gab Strom satt auch für unsere kleinen technischen Lieblinge. Das Restaurant hatte eine großzügige Ladestation zur Verfügung gestellt. So konnte der Westfale seinen Äkschon-Camcorder wieder mit „Säft“ versorgen. Verzückt wollte er schon das geladene Teil in seiner Tasche verstauen, bis ihm einfiel: Er hatte seine Kamera gar nicht mitgebracht! Bevor der rechtmäßige Besitzer der Kamera fürchterlich traurig geworden wäre, hatte er das Teil wieder an die Steckdose angeschlossen.

Das Restaurant war recht nett an der Hafenmole gelegen. In einer überdachten Veranda haben sie den Fisch mit Kartoffeln und, wie soll es auch anders in Kroatien sein, Mangold verzehrt.

Sie haben danach noch einige Zeit auf dem Achterdeck gesessen und mit diversen verbalen Kalauern den Abend mit Musik ausklingen lassen.

Der säuselnde Stromgenerator, der den Sound eines Presslufthammers perfekt imitierte, wiegte die Crew in den sanften Schlaf. Leider nicht alle. Carmen hatte einen Zonk gewonnen. Überreicht wieder einmal von Jaqueline, die keine Gnade kannte. Diesmal wurde die Crew mit Verdauungsproblemen echt beseelt. War schade, denn das hieß wieder einmal Bettruhe für einen der Crew.

7.Tag, Überfahrt in den Hafen der Insel Veli Iz.
Am nächsten Tag ging es weiter. Unsere vorletzte Etappe in den Hafen Insel Veli Iz stand an. Dort sollte es dann endlich wieder geregelten „Säft“ für die Geräte und eine Dusche geben. Die Überfahrt war gemütlich, denn der Wind war nicht so stark wie erwartet. Als kleines Extra zeigte ein Löschflugzeug, wie während einer Übung Wasser aus dem Meer tankte und im Flug wieder abließ.

Die Crew ist dann gegen Abend in den Hafen eingelaufen und stand wieder im Spalier mit anderen Schiffen an der Kaimauer. Strom rein und ab unter die Hafendusche!
So ein Hafen ist eigentlich immer ein wenig nüchtern, aber dort gab es doch noch etwas zu sehen. Wird ein Schiff im Trockendock aufgebockt, dann sorgt ausgeklügelte Ingenieurskunst für einen richtigen Stand, damit die Tonnen an Gewicht nicht ins Rollen kommen. Die Ingenieure in diesem Hafen haben das Problem mit aufgebockten Ölfässern und Holzkeile gelöst. Warum nicht? Solange nicht unser Schiff aufgebockt werden muss. Ich stelle mir den ausgeprägten Herzkasper unserer einheimischen TÜV-Beamten vor, würden wir in unserem Lande solch ein Konstrukt vorstellen.

Ja, und dann war da noch der Nachbar aus unserer guten Heimat, der sein Schiff nicht mit dem Heck an der Kaimauer festgemacht hatte, sondern mit dem Bug. Der Capitano klärte seine Crew auf, dass dieses Anlegemanöver üblich in den norddeutschen Gefilden sei. So bewahrt man ein wenig Intimsphäre.

Natürlich, Intimsphäre ist sehr wichtig! Ich frage mich, ob die Schiffe in Norddeutschland abwechselnd mit dem Bug und Heck einparken, denn die Intimsphäre wäre beim konstanten Heck-einparken ebenso gefährdet. Um Gottes Willen, mit nur 4m Abstand vom lustigen Nachbarn. Das wäre schrecklich!….
Der Ort selber war nett anzusehen. Die Gebäude hatten einen südländischen Charme.

Tag 8: Es ging zurück in den Zielhafen Sukosan und dann ab nach Hause
Ohne großes Aufsehen haben sie den Hafen verlassen und die letzten Seemeilen zurück nach Sukosan angetreten. Der Wind war auch hier günstig und die Sonne trat ein wenig hervor. Wehmut und Vorfreude machten sich gleichzeitig breit. Einerseits hieß es Abschied von dieser Tour und den Freunden zu nehmen, andererseits freuten sie sich wieder auf die Familie, ein schaukelfreies Bett in den eigenen vier Wänden.
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Ohne den Marsch „Preußens Gloria“ fuhren sie lautlos in den Zielhafen. Zuerst zur Tankstelle! Wie üblich gab es hier wieder eine gewisse Grundhektik, denn der Tankwart hatte andere Einparkvorstellungen als unser Capitano. Vollgetankt haben sie das Schiff dann am Steg vertäut. Da lag es wieder an seinem Ausgangspunkt. Trotz undichter Fenster und diversen technischen Ausfallerscheinungen hatte es die Crew viele Seemeilen durch die Adria befördert.

Zügig haben sie die Sachen ausgeladen und in den Züfle-Bus verstaut.

Noch ein Häppchen haben sie sich im Hafenrestaurant gegönnt und die letzten „Knoten“ (Kunars) verbraten. Dann hieß es, 1150Km wieder zurück! Auch hier ging die Anzeige für die noch zu fahrenden Kilometer recht zäh gegen Null. Noch einmal gönnten sie sich einen Ausblick rechts und links der Autobahn bei Tageslicht. Die Landschaft in Kroatien ist nüchtern betrachtet recht karg, aber dennoch reizvoll. Die Nacht brach ein und die Fahrer wechselten sich ab.
Den ersten Hinweis, dass der Sommer vorbei ist, haben sie im Karawanken Tunnel durch einen dezenten Verkehrshinweis erhalten: „Achtung! Räumfahrzeuge!“. Tatsächlich! Die Landschaft hatte sich ein weißes Gewand angezogen. Es hatte geschneit.

Sie setzten ihre Fahrt fort. Eine gewisse Vorfreude auf zu Hause hatte sich bei der Crew eingeschlichen, als sie die deutsche Autobahn unter ihren Rädern spürten. Das Navi-Gerät ist durch Schlaglöcher aus der Halterung gekippt und polternd über das Armaturenbrett geflogen. Ja, endlich wieder auf gepflegten deutschen Straßen, wie schön!

Früh um vier am Samstagmorgen haben sie ihr Ziel erreicht. Zuerst ging der Navigator von Bord, dann folgten der Westfale und Opern-Diva Carmen. Der Bus wurde dann um unseren Smutje erleichtert und letztendlich in der Residenz Züfle abgestellt. Ich, als der stille und unsichtbare Erzähler bin mit dem Westfalen ausgestiegen.

9. Das war der Segelturn 2013 an der Adria.
Denke ich als stiller Zeuge an diese Tour, beginnt der Stuhl, auf dem ich sitze, wieder im Wellengang zu schwanken. Trotzdem das Wetter nicht gerade berauschend gewesen ist, lassen uns allen die schönen Erinnerungen ein wenig in Wehmut und Freude schwelgen. Es hat mir als Erzähler Spaß gemacht, die Crew zu begleiten.
Die Wasserfälle, die See und die Buchten sind etwas Besonderes gewesen. Denke ich an die Kochkünste der Bordköche, dann kann so manche Kantine nur an zweiter Stelle heranrücken.

Die schönsten Erinnerungen? Für mich sind es die Zusammenkünfte der Crew auf dem Achterdeck und im Schiffssalon. Hier hat sich die Gemeinschaft, die sich über Jahre immer weiter gefestigt hat, von seiner schönsten Seite gezeigt. Außerdem spielte Zeit nicht mehr die Rolle. Statt im Minutentakt wurde hier in morgens, mittags und abends gemessen.

An einem Abend, der allgemeine Alkoholpegel lag noch unter 0,4 Promille, wurde der Westfale gefragt, warum er denn so gern im Schwarzwald ist. Eigentlich stamme er doch aus dem Norden Deutschlands.

Seine Antwort war eindeutig: Da gäbe es viele Gründe, wozu seine Freunde auf dem Schiff ganz besonders beitragen würden. Das muss erst einmal anderswo gefunden werden.

Wäre schön, würde die Crew in 2015 erneut ein Schiff besteigen und ein weiteres Meer besegeln. Ich wäre dann gern wieder der stille Beobachter und Erzähler der Crew.

Meiner Crew!

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